Erfahrungsberichte[true stories | real people]

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Erfahrungsberichte[true stories | real people]

„Am Tag vor der Prüfung hatte ich eine totale Lernblockade. Ich konnte in der Nacht nicht schlafen und habe mich von einer Seite zur anderen gewälzt. Dann bin ich im Kopf nochmal die ganzen Begriffe durchgegangen. Und dann wirft man im Halbschlaf die vielen lateinischen Begriff durcheinander, die man gelernt hat. Und vorher hatte man sie noch drauf.

Das ist so wie ein Swimmingpool, in dem alle Begriffe schwimmen und man hat so einen kleinen Strudel im Kopf. Für mich ist es eine große Überwindung, überhaupt zur Prüfung hinzugehen. Im letzen Semester habe ich es mehrere Male so gemacht, ich bin einfach nicht hingegangen.

Diesmal habe ich es für mich ausgeschlossen. Ich musste es einfach machen. Schon auf dem Weg dorthin war es ein ungeheuer beängstigendes Gefühl. Vor der Prüfung – ich musste auch noch eine Stunde lang auf dem Flur warten – war mir sehr schlecht. Ich hatte das Gefühl, der Speichel läuft, das Blut geht aus dem Kopf raus, ich musste fast zum Klo laufen… Aber dann, als der Prüfer uns reinholte, ging es mir auf Anhieb besser, Da war dann das Physiologische ganz weg. Da war ich eher aufgekratzt und habe versucht, was aus der Prüfung zu machen.

Früher beim Abitur hatte ich gar keine Prüfungsangst. Auch bevor die Prüfungen im Studium bei mir schiefgelaufen sind, hatte ich noch keine Prüfungsangst. Das kam erst später. Ich habe immer viel gelernt, bin aber trotzdem mehrmals durchgefallen. Danach ist erst meine Prüfungsangst entstanden. Dann habe ich gedacht, ich kann so viel lernen, wie ich will, ich falle trotzdem durch. Der Prüfer trifft doch die Lücke, die man hat. Der Lernstoff hat mich erdrückt. Ich kann doch nie so viel wissen, dass ich alles parat habe. Das ist schon sehr beängstigend.“

„I was the best student in my high school. I put so much pressure on myself. I never failed a class. But I got sick during 10th grade and I started to fall behind. That’s when the panic attacks began. One day the teacher handed me my grade report, and I couldn’t breathe. My heart was beating very fast. I felt disconnected. I saw people trying to talk to me but I couldn’t hear them. Eventually I passed out and woke up in the infirmary. The attacks were almost daily after that. Last year I started college. And I can’t be the best student here no matter how hard I try. Everyone is so talented. My panic attacks got so bad that I had to cancel my first semester. But now I’m working on acknowledging my anxiety. I used to try to hide it. I would log off social media. I wouldn’t answer calls. I thought that nobody knew it, it didn’t exist. But the more I talk about my problem, the more I realise that other people experience similar things. So I’m trying to express it more. I hat a great teacher who told me: ‚Instead of letting anxiety keep you from doing your art, let it be the thing that motivates your art.‘“

„Vor dieser Gruppenprüfung hatte ich eine Wahnsinnsangst. In den letzten Nächten vorher konnte ich kaum noch schlafen. Morgens hatte ich immer Magenschmerzen und konnte nichts essen. Ich habe trotzdem bis zuletzt geackert, jeden Tag meine acht Stunden in der Bibliothek gelernt. Vor der Prüfung war ich ungeheuer zitterig und dachte, das kann man nicht durchstehen.

Der Prof war eigentlich nett und begann das Vorgespräch mit einem Small Talk. Er fragte mich nach meinen Praktika – wo ich die absolviert hätte – und er kannte auch das Rechtsanwaltsbüro, in dem ich zuletzt war. Aber als er dann so eine etwas abfällige Bemerkung machte über deren Ansehen, war ich völlig irritiert. Ich hatte das Gefühl, damit konnte ich nicht bei ihm punkten. Das ging mir dann noch nach.

Auch dann noch, als die erste Frage gestellt wurde – Gott sei dank an eine andere Studentin.Diese Frage hätte ich nicht beantworten können. Bloß gut, dass sie nicht an mich gerichtet war. Aber mich hat das so verunsichert, dass ich mich kaum noch konzentrieren konnte. Ich konnte den Fragen nicht mehr folgen. Mir brach der Schweiß aus und mein Herz klopfte wie wild. Als ich dann dran war, war ich sehr aufgeregt und habe mich bei der Antwort völlig verhaspelt, obwohl ich sie eigentlich hätte beantworten können. Aber ich habe es nicht geschafft, Fuß zu fassen, und habe die Prüfung dann auch verhauen. Da war irgendwie der Wurm drin von Anfang an.“

Es war an einem heißen Sommertag, als die Sonne unerbittlich über der Stadt brannte. Am Abend beschloss ich mit meinem Freund ins Kino zu gehen. Doch schon vorher hatte ich seit Stunden einen Schwindel verspürt und ein ungutes Gefühl hatte mir den Magen zusammengezogen. Ich schob all das beiseite. Schließlich waren Semesterferien, die ersten meines Lebens. Ich war gerade erst in eine fremde Stadt ausgezogen, hatte mir eine eigene Existenz aufgebaut und an der Freiheit des Studiums geschnuppert. Ich kehrte an diesem Tag in mein altes Kinderzimmer zurück und hatte vor, in Ruhe ein paar freie Wochen mit meinen Freunden und der Familie zu verbringen. Doch es kam anders…

Das ungute Gefühl in mit wuchs. Immer öfter spürte ich Hitze in mir aufwallen, Panik erfasste meinen Körper und mein Herz hämmerte immer kräftiger gegen meine Brust. Ich musste um Luft ringen. Etwas Schlimmes passierte mit mir, schoss durch meinen Kopf. Ich konnte es nicht kontrollieren. Vielleicht muss ich sterben? Auf jeden Fall brauchte ich Hilfe. Die Ärzte in der Notaufnahme versuchten mich zu beruhigen und mir zu erklären, dass ich hyperventiliert hatte, vermutlich, weil mein Kreislauf die Hitze nicht vertragen hatte. Ich sollte durch eine Tüte atmen. Für einen Moment lang schämte ich mich für meine Bedenken, aber das ungute Gefühl blieb.

Die Tage nach der Notaufnahme wurden zu den schlimmsten meines Lebens. Stück für Stück verlor ich das Vertrauen in meinen Körper, meine Aufmerksamkeit richtete sich nach innen. Immer wieder wurde mir bewusst, dass mein Herz zu hämmern begann und mich die Angst packte. Ich als Sportlerin, begann mich zu schonen, wo ich nur konnte. Plötzlich schien der Tod so nah.

Eine Woche nach dem Kinobesuch traute ich mich nicht mehr, mich zu bewegen. Zu groß war meine Angst, das Herz zu überlasten. Zwei Tage lang lag ich zitternd und gekrümmt in meinem Kinderbett und starrte an die Wand. Innerlich hatte ich mit meinem Leben bereits abgeschlossen. Schließlich zwang mich mein Vater aus dem Bett und jagte mich die Berge meines Heimatortes hinauf. Er wollte mir zeigen, dass mein Herz das konnte und schrie, dass ich sehen sollte, wie gesund ich bin. Doch meine Zweifel blieben.

Noch einmal ließ ich mich in die Notaufnahme bringen. Ich ging zu einer Spezialistin, die ein Belastungs-EKG machte und mein Herz auf dem Bildschirm bei einer Ultraschalluntersuchung ansah. Immer wieder hörte ich dasselbe: Ich war kerngesund und alle wünschten mir ein langes Leben. Aber meine innere Stimme in meinem Kopf antwortete etwas Anderes. Wenn ich doch etwas habe? Wenn ich plötzlich tot umfalle? Dann habe ich es schon immer gesagt. Ich versuchte, mein Leben weiterzuleben, aber der Schwindel überkam mich immer wieder.

Nach und nach begann ich, die Angst an Situationen zu koppeln, in denen ich Panikattacken erlebt hatte. Lange Schlangen im Supermarkt, Busfahrten, Seminare und Barbesuche wurden zur Bedrohung. Ich dachte, da komme ich nicht schnell raus und wenn in diesem Moment eine Attacke kommt, kann ich nicht fliehen. Zur Panikstörung kam also die Angst vor bestimmten Plätzen, eine Agoraphobie. Um dennoch den Alltag zu meistern, entwickelte ich Vermeidungsstrategien. Musste ich Busfahren, spannte ich alle Muskeln meines Körpers an, wenn mich eine Attacke zu überrollen drohte. Manchmal wachte ich morgens mit Muskelkater auf, obwohl ich keinen Sport gemacht hatte, und wunderte mich.

Schließlich kam der Bruch, ich suchte einen Psychologen auf. Von einer Therapeutin erfuhr ich, was Panikattacken sind und dass mein Körper nie so geschützt ist, wie in diesen Momenten, in denen er all seine Kräfte mobilisiert. Im Schnitt vergehen sieben Jahre, bis eine Angsterkrankung richtig diagnostiziert ist. Bei mir waren es nur vier Monate. Ich begann im Anschluss eine kognitive Verhaltenstherapie, die typische Behandlung bei Panikstörungen. Dort sollte ich die Angst vor der Angst verlernen und mich ihr stellen. Dazu war es nötig, mich gezielt Situationen auszusetzen, vor denen ich mich am meisten fürchtete. Ich sollte Panikattacken durchleben, um zu erfahren, dass mir nichts passiert. Ich fuhr Bus, ohne meinen Körper anzuspannen, stellte mich im Supermarkt an das Ende der langen Schlange, immer wieder. Und ich hielt durch. Die Therapie hat mir geholfen, in mein Leben zurückzufinden.

Wenn ich heute zurückblicke, hadere ich oft und frage mich, warum es gerade mir passieren musste. Manchmal aber empfinde ich Panik auch als Bereicherung. Die Auseinandersetzungen mit dem Tod haben mir geholfen, mein Leben mehr zu schätzen. Überkommt mich eine Panikattacke, weiß ich, dass gerade etwas nicht stimmt. Und noch etwas habe ich gelernt: Die Verhaltenstherapie half mit zwar dabei, mit der Angst umzugehen, die psychischen Ursachen der ersten Panikattacke, konnte sie jedoch nicht lösen. Der Grund steckt wahrscheinlich in meinem Familienleben. Damit will ich mich nun endgültig auseinandersetzen, mit Hilfe einer tiefenpsychologischen Therapie. Auch dahin haben ihr Attacken den Weg gewiesen.

Meine erste Panik-Attacke erlebte ich kurz nach meinem Studium aus heiterem Himmel am Arbeitsplatz. Ich hatte gerade eine schwere Grippe überstanden und sollte an diesem Tag mit einem externen Mitarbeiter eine Sitzung abhalten. Dazu kam es nicht mehr. Plötzlich hatte ich Mühe zu atmen und bekam Schwindelanfälle, sodass ich mich auf Boden legen musste, um nicht in Ohnmacht zu fallen. Ich hatte kalte Schweißausbrüche und mein Herz begann zu rasen, dass es mir in der Brust weh tat. Meine Glieder wurden taub und meine Lippen kribbelten, dass mir das Sprechen schwer viel. Ich bekam mächtig Angst, weil ich glaubte, etwas mit dem Herz sei nicht in Ordnung. Der herbeigerufene Notarzt stellte aber schnell fest, dass mit dem Herzen alles in Ordnung war. Er spritzte mir ein Beruhigungsmittel und schickte mich nach Hause. Mein Hausarzt diagnostizierte einen Nervenzusammenbruch, verschrieb mir Beruhigungstabletten und erteilte mir für zwei Wochen eine Krankschreibung.

Anschließend hatte ich immer öfter diese Symptome. Manchmal stach es sehr stark in der Brust und der Schmerz strahlte in den linken Arm aus, wie bei einem Herzinfarkt. Dann stand ich Todesängste aus und wusste oft nicht mehr, wie ich nach Hause gekommen bin. Ein Herzspezialist versicherte mir nach eingehender Untersuchung, dass mit dem Herzen alles in Ordnung sei. Doch das beruhigte mich nicht lange, denn irgendwoher mussten diese Symptome ja kommen.

Mit der Zeit fiel mir auf, dass die Anfälle vor allem in Stresssituationen auftraten. So reduzierte ich mein Arbeitspensum auf 80% und begann immer mehr zu Hause zu arbeiten. Zugleich startete ich eine Psychoanalyse. Doch das verbesserte die Situation nicht lange. Immer häufiger traten die Symptome auf, besonders, wenn ich mich unter Menschen befand. Das hatte zur Folge, dass ich nicht mehr in öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, nicht mehr in Einkaufszentren hineingehen konnte und sogar das Essen in der Kantine war mir nicht mehr möglich. Schlimm war auch, wenn ich irgendwo Schlange stehen musste. So mied ich immer mehr Situationen. Schließlich war es mir nicht mehr möglich, in die Psychoanalyse zu gehen, welche nach Jahren immer noch kein Ergebnis zeigte. Schlussendlich konnte ich ohne Begleitung die Wohnung nicht mehr verlassen. Ich schluckte täglich Tranquilizer, später auch Antidepressiva, weil Tranquilizer abhängig machen sollen. Meine Frau Beth musste immer öfter von der Arbeit nach Hause kommen, wenn ich wieder eine Attacke hatte. Ich habe viele Ärzte aufgesucht und etliche Male musste ein Notarzt gerufen werden. Die Diagnose lautete zuletzt: Depressiv gefärbte Angstneurose. Ich konnte damit nicht viel anfangen!

Eines Tages brachte mir Beth ein Buch nach Hause, das von Panik-Attacken handelte und in dem genau meine Symptome beschrieben wurden. Jetzt ging mir ein Licht auf. Endlich wusste ich, was mir fehlte. Das hat mir einen großen Teil meiner Angst genommen. Die Behandlungsvorschläge und die Zukunftsaussichten machten mir aber sehr zu schaffen. Ich versuchte es erst mit einer Selbsthilfegruppe. Das war eine gute Erfahrung, aber leider löste sich die Gruppe bereits nach einem Jahr wieder auf. In dieser Zeit ging es mir moralisch besser, obwohl ich immer noch starke Ängste hatte und vieles mied. Aber die Gruppe gab mir Zuversicht und Mut. Vor allem tat es gut, richtig verstanden zu werden, denn nur wer selbst von Panik-Attacken geplagt wird, kann einen anderen verstehen.

Doch mit der Zeit verschlechterte sich mein Zustand wieder. Als dann der Arbeitgeber Konkurs machte, ging es mir so schlecht, dass ich, vom Notfall überrumpelt, zu einem Psychiater musste. Er verschrieb mir Antidepressiva und ich begann eine Psychotherapie. Ich war nicht mehr in der Lage, eine neue Stelle zu suchen und wurde folglich zuerst Krank und ein Jahr später 100% invalid geschrieben. Seit dieser Zeit leide ich unter mittleren bis schweren Depressionen. Die Panik-Attacken sind jedoch fast verschwunden. Trotzdem wage ich mich nur selten alleine weiter fort, als ich zu Fuß noch zurücklegen kann. Ich habe schon viele Antidepressiva ausprobiert, leider ohne spürbare Besserung. Dafür waren die Nebenwirkungen unerträglich. Zurzeit versuche ich so über die Runden zu kommen und probiere wieder mal ein neues Medikament, wenn ich eine ganz schlechte Phase habe.

Meistens kommt sie aus dem Nichts. Es fühlt sich an, als würde sie mir den Boden unter den Füßen wegreißen. Meine Beine zittern, ich ringe nach Luft und habe das Gefühl zu ersticken. Mein Mund ist trocken. In meinem Kopf ist alles dumpf, ich kann nicht richtig sehen. Hoffentlich werde ich nicht ohnmächtig. Ich muss mich irgendwo festhalten, damit ich nicht umfalle. Schwindel, Herzklopfen, Unruhe, Fluchtgedanken – da ist sie wieder, meine Angst!

Was ich hier beschrieben habe, bezeichnen Ärzte und Therapeuten als Panikattacke. Diese Attacken überfallen mich seit meinem 17. Lebensjahr. Immer wieder. Erst nur alle drei bis sechs Monate, dann kontrollieren sie meinen Alltag. Jahrzehntelang lebte ich so.

Das Leben ist für mich von Anfang an nicht immer einfach. Als ich zwölf Jahre alt bin, verlässt mein Vater meine Mutter und mich von jetzt auf gleich für eine andere Frau. Ich leide sehr darunter. Noch bevor ich mich von dem Schock erholen kann, bekommt meine Mutter Krebs. Sie ist krank, ich leide. Als sie sehr qualvoll stirbt, bin ich gerade mal 15 Jahre alt. Es reißt mir den Boden unter den Füßen weg. Mein Vater kümmert sich nicht um mich. Er nimmt mich auf der Beerdigung meiner Mama nicht mal in den Arm. Ich bin schockiert, fühle mich allein gelassen. Jetzt muss ich bei meinem Vater und seiner neuen Freundin leben. Die Alternative wäre nur, in ein Heim zu gehen.

Zwei Jahre später überfällt mich während eines Spazierganges die erste Panikattacke. Ohne Grund habe ich das Gefühl, ohnmächtig zu werden. Plötzlich. Ich zittere, bekomme Schweißausbrüche und Herzrasen. Ich muss mich festhalten. Nach einer halben Stunde wird es besser. Ich habe Angst, einen Herzinfarkt zu bekommen, aber ich habe noch mehr Angst vor dem Arzt und seiner Diagnose. Also gehe ich nicht hin.

Ich verliebe mich. Meine erste Beziehung mit einem Mann. Zwei Jahre geht es gut, wir sind glücklich. Dann fängt er an zu trinken. Er trinkt, schlägt und missbraucht mich. Trotzdem habe ich starke Verlustangst. Ich schaffe ich es erst nach sieben Jahren, mich aus der Beziehung zu lösen und mich von ihm zu trennen. Kurz darauf winkt mir das Glück. Ich verliebe mich in meinen Ex-Mann. Aber es läuft nicht so richtig gut zwischen uns, er steht nicht zu mir. Mit 25 Jahren werde ich dann schwanger. Wir heiraten. Nach der Hochzeit ist mein Mann nur mit sich selbst beschäftigt, ich bekomme jetzt alle vier Wochen diese Attacken.

Morgens bin ich wie besessen von dem Gedanken, dass mir im Bad etwas zustoßen kann. Ich traue mich kaum in den Raum zu gehen. Mein Puls rast wieder, ich schwitze. Wer hilft mir dann? Wer soll mich da finden? Wer ruft die Sanitäter? Dann kommt das nächste Problem, weil ich meine kleine Tochter in den Kindergarten bringen muss. Wieder überfällt mich Panik. Auf dem Weg dorthin kann ich einen Herzinfarkt bekommen. Im Park können mich die Ärzte doch gar nicht finden! Ich schaffe es trotzdem. Die Fahrt zur Arbeit ist auch ein Problem. Mir ist schwindelig, meine Kehle schnürt sich zu. Mein Mund wird trocken. Der Puls rast. Ersticke ich etwa jetzt? Bekomme ich jetzt einen Herzinfarkt?

Ich spüre, dass irgendetwas in mir nicht in Ordnung ist. Ich bin davon überzeugt, körperlich krank zu sein. Ich laufe von Arzt zu Arzt, lass mich untersuchen. Doch immer wieder lautet die Diagnose: Sie sind völlig gesund.

Niemand sieht mir meine Angst an. Ich funktioniere. Es dauert sehr lange, bis einen Entschluss fassen kann: Ich muss mich trennen. Mein Mann verspricht, sich zu ändern. Ich glaube ihm. Alles geht von vorne los. Es passt zwischen uns einfach nicht richtig. Dann schaffe ich es doch und ziehe mit meiner Tochter aus. Manchmal ist das Ende einer Beziehung ein Drama und manchmal eine Erlösung. Ich glaube an einen Befreiungsschlag und trotzdem hören die Attacken nicht auf...

2005 werden die Attacken so stark, dass ich sie nicht mehr vor meinen Freunden, meinen Arbeitskollegen und meiner Tochter, die inzwischen ein Teenager ist, verstecken kann. Meine Psyche ist nicht mehr fähig, noch mehr unterzubekommen. Es ist ihr zu viel. Ich kann diesen Mülleimer nicht noch mehr vollstopfen. Er läuft über und schlägt Alarm. Nach zwei schlimmen Panikattacken lande ich zuerst mit Verdacht auf Herzinfarkt in einer Notfall-Klinik. Am Abend werde ich entlassen. Die Ärzte haben mir eine Überweisung für einen Psychologen mitgegeben. Ich zum Psychologen? Eine Uni-Klinik gibt mir einen Termin. Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ich dort landen könnte. Menschen, die zum Psychologen gehen, spinnen doch – oder? Der Therapeut ist sympathisch. Wir plaudern. Seine Diagnose kommt schnell: ANGST! Ich solle Angst haben? Das ist doch lächerlich. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Herzrasen und all das durch die Psyche bedingt sind. Ich bin doch kein Fall für die Klapse. Doch dann sagt er etwas, was in diesem Moment viel wichtiger für mich ist: Eine Angststörung kann man zu 100 Prozent heilen. Nach zehn Sitzungen merke ich, dass es mir besser geht. Einmal die Woche muss ich jetzt zum Therapeuten. Er bohrt da, wo es richtig weh tut. Die Angst ist das Kind der verletzten Seele. Schritt für Schritt lerne ich, die Angst auszuhalten. Ich fahre wieder lange Strecken mit dem Auto. Langsam begreife ich, dass nichts Schlimmes passiert, wenn ich mich diesen Situationen stelle. Von Mal zu Mal werde ich ruhiger. Ich muss wieder lernen zu leben. Als einige Freunde und Bekannte von meiner Krankheit erfahren, wenden sie sich von mir ab. Sie können mich nicht verstehen. Es gibt Rückfälle. Ja.

Inzwischen habe ich ein Buch geschrieben, mich wieder aufgerappelt. Inzwischen kann ich mit der Angst leben. Meine Tochter ist Mutter, zu meinem Vater und meinem Ex-Mann habe ich ein gutes Verhältnis. Traurig macht mich nur, dass dieses Thema in der Gesellschaft ein Tabu ist und noch immer nicht ernst genommen und belächelt wird. Die Angst kann jeden treffen. Derjenige, der mich heute belächelt, könnte morgen schon ein neuer Angstpatient sein.

Während des Studiums wurde aus meiner Angst, zu versagen, eine soziale Phobie. Ein Antidepressivum machte alles noch schlimmer. Ich musste mir selbst helfen.

Angststörungen betreffen mehr Menschen als ich je gedacht hätte und leider bin ich eine davon. Vor eineinhalb Jahren fing es an. Ich bekam Angst vor sozialen Situationen, Angst vor meiner Scham. Schon beim Verlassen meiner Wohnung schlug mein Herz plötzlich schneller, meine Hände wurden feucht und meine Harnblase fühlte sich an wie eine tickende Zeitbombe. Ich hatte das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren. Es waren also alle typischen Symptome einer sozialen Phobie vorhanden.

Ich studiere Medizin, der Stresspegel ist sehr hoch. Vor allem in der ersten Phase, der Vorklinik, hatte ich das Gefühl, in einem Willkürsystem zu stecken. Ich wusste oft nicht, wer mich wann prüfen würde, ja, ob ich überhaupt geprüft würde. Auch die Laune des Prüfers war ausschlaggebend für den Erfolg. Ich konnte mich nie daran gewöhnen. In meinem Kopf dominierte immer die Angst, zu versagen.

Als ich zum Hausarzt ging und meinen Zustand beschrieb, belächelte er mich. Ich sagte ihm, dass ich nicht an eine körperliche Ursache glauben würde, trotzdem schickte er mich zu einem Urologen. Heraus kam nichts. Ich hielt es nicht mehr aus und bat meinen Hausarzt um Sertralin, ein Antidepressivum, das auch gegen Angststörungen helfen soll. Er verschrieb es mir ohne zu zögern – und ohne mit mir über die möglichen Nebenwirkungen zu sprechen.

Es war die Hölle. Ich wachte morgens auf und war für Stunden in einer nicht enden wollenden Panikattacke gefangen. Ich hatte das Gefühl, wahnsinnig zu werden. Wieder ging ich zum Hausarzt. Zwischen Tür und Angel verschrieb er mir eine Psychotherapie. Mehr Zeit nahm er sich nicht.

Die Wartezeit für eine Psychotherapie wäre sechs Monate gewesen. Unmöglich. Mein Zustand wäre bis dahin chronisch geworden. Mein Lösungsansatz war, mich selber zu therapieren. So blöd und naiv es klingt, mir wurde immer bewusster, dass eine Therapie mir das schwierigste sowieso nicht abnehmen konnte: die Notwendigkeit, mich zu verändern. Meine Denkmuster, mein Verhalten.

Ich bin Julia, lebenslustig und immer für einen Spaß zu haben. Darf ich mich ehrlich vorstellen? Ich bin Julia, habe eine Angststörung und Depressionen. Nein, ich darf mich nie ehrlich vorstellen. Denn dann sehe ich sie, die mitleidigen Blicke. Ich spüre die Unsicherheit, mit der mir die Menschen begegnen und die Ausreden, die sie suchen, um nicht mit mir in Kontakt zu kommen. Deshalb stelle ich mich nie ehrlich vor - bis jetzt.

Die Angst kam zuerst schleichend und zeigte sich dann mit aller Kraft. Zu Beginn waren es nur kleinere Attacken, mit einem Schwächeanfall oder einer Magenverstimmung zu vergleichen - dann wurde es schlimmer, und mit der Zeit war ich nur noch ein Schatten meiner Selbst. Ein Schatten, der zu schwach war, um den Lebenden zu folgen.

Das Verhängnisvolle bei einer Angststörung ist, dass dieses Wort nicht im Geringsten ausdrückt, was wirklich passiert. Meine Angst ist nicht vergleichbar mit der Angst vor einer Spinne oder vor einer schwierigen Situation. Ich habe nackte Todesangst und das in alltäglichen Situationen.

Zu Beginn wurde mir nur übel und schwindelig, wenn ich das Haus verließ. Später brach ich in Geschäften oder im Fitnessstudio zusammen. Und dann endete mein Leben. Im Studium musste ich pausieren, meine Wohnung musste ich aufgeben. Ich konnte nicht mehr das Haus verlassen, zog wieder zu meiner Mutter und hatte keinen Kontakt zur Außenwelt.

Die Angst packte mich mit voller Macht und zog mich aus dem Licht in den Schatten. Es gab Tage, in denen ich so schlimme Schmerzen hatte, dass ich das Bett nicht verlassen konnte. Die unglaublich vielen Symptome der Angststörung – Übelkeit, Schwindel, Zittern, Herzrasen, Taubheit, Überforderung, Atemnot – ich nahm sie alle mit.

Eine ganz gewöhnliche Panikattacke, wie sie bei der Angststörung vorkommt, dauert ungefähr 30 Minuten. Ich hatte täglich drei bis sieben von ihnen. Danach war ich schwach und ausgelaugt.

Der Kampf gegen meinen Körper lähmte mich, und ich fiel in tiefe Depressionen. Wenn ich mir nicht mehr vertrauen konnte, wem dann? Wieso kämpft mein Körper gegen mich? Und wie konnte das alles überhaupt passieren? Ich begann mich zu hassen und fühlte mich unsichtbar. Ich war zu schwach, um mit Menschen zu reden, zu schwach, um jeden Tag zu kämpfen und zu schwach, mein Leben zu führen.

Meine Tage und Wochen bestanden immer aus demselben Schema: Psychologe und Selbsthilfegruppe. Mehr hatte ich nicht. Mehr konnte ich nicht. Fast ein Jahr hatte ich nur zu diesen Menschen und zu meinen engsten Vertrauten Kontakt.

Dann war es soweit: Ich wollte sterben. Ich hasste diese Existenz und hatte meinen Überlebenssinn verloren. Das Leben machte keinen Sinn mehr. Meine Existenz bestand nur noch aus Angst, Trauer und Hass. Nur meine Lieben hielten mich am Leben. Ich wusste, dass ich auch ihre Leben auslöschte, wenn ich meines beendete. Also versuchte ich, zu kämpfen. Auch wenn ich nicht wusste, wofür. Aber ich hatte meine Erinnerungen. Ich hatte früher einmal gelacht. Ich war schon mal glücklich gewesen. Also kämpfte ich dafür, dass ich wieder dorthin gelangte. Und sei es nur für einen Tag.

Mit meinem Psychologen arbeitete ich daran, über meine Grenzen zu gehen. Ich ging jeden Tag raus, immer ein bisschen mehr, und versuchte, mein Gehirn neu zu programmieren. Alles hatte seinen Grund, auch jede Panikattacke. Ich begann, mir täglich kleine Ziele zu setzten. Ich fotografierte Dinge, die mich früher einmal glücklich gemacht hatten, in der Hoffnung, das Gefühl noch einmal zu spüren. Ich wurde schonungslos ehrlich zu mir und meiner Umgebung. Kannten meine Lieben meine innersten Gedanken, konnten sie besser mit mir umgehen und waren nicht mehr so ratlos. Und ich hatte nicht mehr das Gefühl, mich verstecken zu müssen. Zwei Jahre lang habe ich täglich gekämpft, erlebte Tiefen und Zusammenbrüche. Aber ich schaffte kleine Ziele. Nach ungefähr einem Jahr konnte ich das erste Mal wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und habe vor Freude geweint.

Irgendwann habe ich wieder begonnen, so etwas wie ein Leben zu führen. Ich hatte mir eine neue Persönlichkeit geschaffen, denn das war unvermeidlich, um nicht in alte Muster zu fallen. Ich lernte auf dem wahrscheinlich schlimmsten Weg von allen – dem der Konfrontation –, wie ich mit meinem neuen Ich umgehen konnte. Die Angst ist ein Teil von mir, ein Monster, das mich immer mal wieder in seinen Bann zieht. Aber die Angst hat mich auch gelehrt, ich zu sein und das mit allen Konsequenzen. Nach zwei Jahren der Isolation und des Kampfes begann ich langsam, wieder zu arbeiten. Ich versuchte, mein Studium zu beenden und mir eine Existenz aufzubauen.

Jetzt bin ich wieder glücklich. Wahrscheinlich glücklicher denn je. Auch weil ich nicht mehr an meine Zukunft denke. Ich liebe jeden Moment, der ohne Angst ist. Ich liebe es, in andere Städte zu reisen und ich liebe es, jeden Morgen ohne Schmerzen aus dem Haus zu gehen.

Doch es wäre gelogen, wenn ich jetzt sagen würde, dass die Angst nicht mehr existiert. Sie ist zu meinem Schatten geworden. Ich muss auf mich achten und habe immer wieder Angst. In einer guten Woche komme ich mit einer Panikattacke aus, in einer schlechten Woche begleitet mich die Angst täglich. In den fast drei Jahren meiner Krankheit habe ich nicht nur ein Leben und mich selbst verloren. Noch immer habe ich keinen selbstverständlichen Überlebenssinn. Aber ich nehme das Leben leichter, weil ich weiß, dass es nicht so bedeutend ist. Ich kann jederzeit sterben und das ist beruhigend. Und ich habe in den Jahren meiner Krankheit etwas unglaublich Schönes gefunden: Mich!

Die Angststörung hat mein Leben ruiniert - und mich gerettet.

Ich versuche mal mein Problem kurz zu umreißen... Als ich im Oktober 2008 mein Studium in einer neuen Stadt (500 km von zu meinen Eltern entfernt) begann, hat sich nach ca. drei Wochen ein Schwindel/Benommenheitsgefühl mit Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit und auch einem Angstgefühl eingestellt. Schon als Jugendlicher hatte ich mehrfach solche Phasen, allerdings nie so stark und nie so lange (sagen wir, ich hatte den Hang zu Schwindel und hab mir auch immer sehr viele Gedanken gemacht).

Der Schwindel ist eigentlich immer da. Wenn er mal abgeschwächt ist, geht es mir dann gleich viel besser, denn er blockiert mich richtig. Nicht unbedingt bei praktischen Tätigkeiten oder beim Lernen, sondern eher im alltäglichen Leben, beim Weggehen, durch die Stadt schlendern, Einkaufen, Friseur... Ich kann einfach nichts mehr genießen und dadurch wird alles etwas sinnlos. Das ist eines der ganz großen Probleme.

Die Qualität des Schwindels würde ich eher als diffus bezeichnen, ein Schwanken, als würde die Straße, auf der ich gehe, bergauf gehen oder der Raum leicht kippen. Dazu kommt, dass ich benommen bin und "nicht so recht aus den Augen schauen kann". Wenn es gerade stärker ist, dann kann ich kaum auf einer Stelle stehen, da ich das Gefühl habe, mich ständig neu positionieren zu müssen, um nicht umzukippen. Wenn ich etwas mehr Alkohol trinke, dann werde ich etwas lockerer und der Schwindel tritt in den Hintergrund. - Vielleicht weil ich mich allgemein etwas dämpfe...

Manchmal, besonders während der schlimmen Phasen, die manchmal wochenlang andauern, kommen dann Angst und Panikattacken hinzu. Das ganze belastet mich natürlich sehr. Teilweise kommt es dann vor, dass ich Angst habe umzukippen oder auch irgendwie wegdrifte, z.B. wenn ich an einer Supermarktkasse warten muss und sozusagen Angst habe, dass ich nicht "weglaufen" bzw. aus der Situation flüchten kann. Passiert ist noch nie etwas. Wenn ich einen Adrenalin-Shoot (Gipfel der Panik) überstanden habe, werde ich meist erstmals wieder lockerer.

Gerade wenn ich Vorträge halten muss oder in irgendeiner anderen exponierten Situation, habe ich immer ganz schlimme Angst. Und es scheint, als würde ich nicht hinzulernen. Obwohl nichts Schlimmes bisher passiert ist und ich auch gute Noten schreibe, habe ich jedes Mal wieder gleich viel Angst, das gleiche schlechte Gefühl, dass das mein Leben zerstört und Angst, irgendwann mal gar nicht mehr aus dem Haus zu können. Heute bin ich das erste Mal auf dem Weg zur Mensa umgekehrt, weil ich des ganzen so überdrüssig war...

Ich habe keine Übelkeit, schlafe auch relativ gut und brauche morgens oft ziemlich lange, wach zu werden. Da ich dann benommen bin, habe ich aber Gefühl, dass ich den ganzen Tag gar nicht wach werde.

Untersuchungen waren alle ohne Befund. Neurologischer Art, Augenarzt oder Blutuntersuchungen... Ich spüre auch, dass da eigentlich nichts ist. Ich bin trotz allem belastbar und habe keine Schmerzen, keine Ausfälle etc. Das Ganze ist eher wie eine Tortenglocke über mich gestülpt. Schon der erste Arzt dachte an ein psychosomatisches Problem, somatoforme Störung o.Ä. Das wurde bisher immer nur bestätigt, hilft mir aber auch nicht viel. Das macht die Sache nicht besser und die körperlichen Symptome auch nicht. Ich bin wirklich langsam am Ende.

Was Therapien angeht, wurden erstmal Entspannungsübungen versucht. - Johanniskraut, Waden eincremen, Bachblüten etc. - Half alles nichts. Dann kam Opipramol, was ich relativ schnell abgesetzt habe, weil ich noch müder wurde und der Schwindel nicht verschwand. Auf einen Therapieplatz für eine kognitive VHT warte ich seit über einem Jahr. Dann sollte ich Buspiron nehmen. Da ich aber Angst vor Nebenwirkungen habe, habe ich auch das nicht konsequent durchgeführt. Wenn ich Medis nehme, habe ich das Gefühl, dass ich noch benommener werde und meinen Körper noch weniger im Griff habe.

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